Veränderungen brauchen Zeit

Für viele Menschen sind Veränderungen selbst dann unangenehm, wenn sie rationale Vorteile mit sich bringen. Das Gewohnte vermittelt uns das Gefühl der Sicherheit. Gewohnheiten sind in den Basalganglien abgespeichert. Die Bereitschaft zu Veränderungen erfolgt meistens erst dann, wenn der Leidensdruck schon sehr groß ist und diese auch einen deutlichen positiven Effekt mit sich bringen.

„Neuronen, die gemeinsam feuern, finden einen Draht zueinander“ („what fires together, wires together“). Dieser berühmte Satz stammt von Donald Hebb, einen Pionier der Neuropsychologie. Unseren Neuronen fällt es schwer, elektrische Signale in eine gewisse Richtung zu lenken und auf einen Pfad zu „feuern“, der vorher noch nicht aktiviert wurde. Jeder neue Schritt ist mit einer gewaltigen Anstrengung verbunden. Mit ständigen Wiederholungen entstehen in diesem Prozess Nervenbahnen und neuronale Netzwerke. Im Laufe der Zeit verfestigen sich diese zu einem „Trampelpfad“, sodass Aufgaben zu Routineaufgaben werden und einfach und gewohnheitsmäßig abgewickelt werden können. Die meisten neuronalen Verbindungen werden, sofern sie nicht ständig genutzt werden, jedoch wieder gekappt und lösen sich auf.

Wenn ein Neuron wiederholt verwendet wird, entwickelt sich eine fettige Umhüllung, die Myelinscheide. Dadurch kann ein Neuron effizienter elektrischen Strom leiten als frei liegende Neuronen. Verglichen mit frei liegenden Neuronen lassen uns diese sogenannten myelinisierten Schaltkreise Aufgaben mühelos bewältigen. Das Auseinandersetzen mit neuen Ideen und Erfahrungen fördert das Wachstum zusätzlicher Verbindungen zwischen den Neuronen. Das wiederum fördert den Aufbau von Myelin, wodurch die Übermittlung entlang der Nerven beschleunigt wird.

Abb. Neuron